Wer ist dieser „Claude“ in unseren Commits?

Vielleicht ist dir in der Historie eines unserer Projekte Co-Authored-By: Claude aufgefallen. Nein, das ist kein geheimnisvoller Mitarbeiter, der nie zu Besprechungen kommt. Claude ist ein KI-Modell von Anthropic – ein Kollege und der einzige, der sich ehrlich freut, Dokumentation zu schreiben.

Vorweg: Wir können das auch von Hand

Wir entwickeln seit über 25 Jahren Software – lange bevor irgendein Modell ein Semikolon vervollständigen konnte. Wir schreiben nach wie vor Code von Hand, lesen jede Zeile, die hineinkommt, und bilden uns ein, zu wissen, was wir tun. Den Fehler finden wir auch ohne KI. Wir finden es nur angenehm, wenn jemand anderes zuerst den Stacktrace liest.

Was sich geändert hat

Eine Menge – und zwar zum Guten. 2026 wird hier jedes Stück Code besprochen, bevor es entsteht. Mit einem Kollegen, der nie müde wird, nichts persönlich nimmt und mehr Dokumentation gelesen hat, als gesund ist. Wir streiten. Meistens gewinnen wir. Manchmal ist die Idee des Modells schlicht besser – dann nehmen wir sie, denn 25 Jahre Erfahrung lehren einen auch, wann man aufhören sollte, die eigene zu verteidigen.

Ein skeptischer Entwickler und ein Roboter mit einem Schild „What if…“ am Whiteboard
Erzeugt mit MLC SD, unserem eigenen Werkzeug – lokal auf dem eigenen Rechner.

Wo viele unserer Programme anfangen

Manchmal ist es schlicht ärgerlich, was ein Sprachmodell noch nicht kann. Genau dort fängt viel von unserer Software an.

Es vergaß ständig, was es gestern gemacht hatte – also haben wir ihm einen Dokumentations-Hub mit Arbeitsprotokollen und Backlog geschrieben. Es konnte nicht zeichnen – also bekam es einen Bildserver. Es konnte kein PDF ordentlich lesen, kein Diagramm zeichnen und keine Straße auf der Karte finden – den Rest kannst du dir denken. Inzwischen haben wir über 15 MCP-Server geschrieben, die Modellen neue Fähigkeiten geben. Manche nutzen wir nur intern, andere sind öffentlich, zum Beispiel auf unserer Seite mit MCP-Werkzeugen.

Ein Roboter hält eine Landkarte verkehrt herum, ein Entwickler bringt einen Werkzeugkasten mit der Aufschrift MCP
Erzeugt mit MLC SD, unserem eigenen Werkzeug – lokal auf dem eigenen Rechner.

Wer macht was

Das Design kommt von uns. Was ein Produkt können soll, wie es aufgebaut ist und was es bewusst weglässt – das entscheiden Menschen. Vorher besprechen wir es allerdings mit Sprachmodellen: Claude, Gemini und ein paar andere dürfen Löcher in unsere Ideen bohren, Alternativen vorschlagen und uns gelegentlich eine schlechte ausreden. Hervorragende Sparringspartner. Die Entscheidung bleibt bei uns.

Dann legt Claude los:

Ein Roboter-Detektiv mit Lupe untersucht Uhren mit der Aufschrift UTC und CEST
Erzeugt mit MLC SD, unserem eigenen Werkzeug. Bestellt war eine Sherlock-Holmes-Mütze – geliefert wurde ein Hirsch.

Warum wir das sagen

Weil es nichts zu verstecken gibt. Ein Sprachmodell gehört zu unserer Werkzeugkette, wie ein Compiler oder ein Linter – nur gesprächiger und deutlich besser im Entschuldigen. Es macht uns schneller und gründlicher, als wir es allein wären. Die Fehler sind trotzdem unsere.

Fragen? Schreib an mlcgo.eu@michael-lechner.de.